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Kurvendiskussion

 

Kurvendiskussion !

 

Einleitend wollte ich an dieser Stelle mal ein paar generelle Anmerkungen bezüglich Leistungsdiagrammen machen.

 

Also, zum einen  ist man sehr oft verleitet nur auf die Spitzenleistung in PS zu schauen. Dabei ist genau dieser Wert nur in Relation zu anderen Werten aussagefähig und spielt eher eine untergeordnete Rolle.

 

Meiner Meinung nach relevanter sind da schon folgende Eckdaten:

 

-          Leistungseinstieg/Resonanzbeginn: Der Leistungseinstieg spielt eine entscheidene Rolle für die Fahrbarkeit des Setups. Hier ist es von entscheidender Bedeutung, ob der Motor mit der verbauten Anlage bei 5000 U/min, 5500 U/min oder erst bei 6000 U/min und später in Resonanz geht. Natürlich immer auf dem Hintergrund des Einsatzzwecks des Systems. Ist es ein breitbandiger 1/4mile-Motor, der recht spät einsteigt, um Band und PS zu machen oder ein gut fahrbarer Alltags- und Touren-Motor, der sehr früh einsteigen sollte mit einem satten Drehmoment ?

 

-          Verlauf der Kurve vor Resonanzbeginn: Hier zeigen sich verschiedene Parameter. Abgesehen vom Verlauf, kann man hier Aussagen über Auslassform (Rechteck, Trapez, Oval, Oberkante, Eckradien..), Auslassinnendurchmesser, Überstromzeit aber auch bereits über die Qualität der Anlage machen. Beispielsweise zieht der Bullet an dieser Stelle in den allermeisten Fällen ein Plateu in der Leistungskurve (nicht Drehmomentkurve). Und eben dieses Plateau liegt über vielen anderen der verschiedensten Prototypen. Ob eine Anlage richtig gut funktioniert, zeigt sich oft schon vor dem Resonanzbeginn. Hier werden dann 3-10 zehntel PS draufgelegt gegenüber anderen Anlagen.

 

Vermieden bzw. in Grenzen gehalten werden sollte ein Loch in der Leistungskurve direkt vor Resonanzbeginn. Bei manchen Anlagen ist es zwar der „Preis, den man zahlen muß“ für das, was dann kommt. Allerdings gibt es auch bei sehr leistungsstarken Anlagen Wege, um dieses „Luftholen“ in Grenzen zu halten.

 

-          Leistung bei 6000 U/min: Das klingt zwar etwas einfach, hat meiner Meinung nach aber eine nicht zu unterschätzende Aussagekraft. Dieser Wert hat sich für PX 200-Motoren zumeist eingebürgert, da hier der Motor oft bereits in Resonanz ist, aber noch vor dem maximalen Drehmoment steht. An diesem Wert kann man u.a. eine gewisse Fahrbarkeit des Setups ablesen. Hier sollte auch ein extremer 1/4mile-Motor nie weniger als 15 PS aufweisen.

 

-          Drehzahlbandbreite bei 20 PS (am Hinterrad): Dieser Wert und der vorherige stehen oft in einem Spannungsverhältnis. Sprich, ab einem bestimmten Punkt wird das Drehzahlband einfach schmaler, je früher die Anlage in Resonanz geht. Aber auch bei übersteuerten Motoren mit deutlich zu viel Auslaßzeit stellt sich die Leistungskurve auf und das Drehzahlband wird immer schmaler und rückt oft etwas Richtung niedrige Drehzahlen. Meistens bleibt dann auch das Drehmoment deutlich unter des möglichen Maximalwerts.

 

-          Verlauf Drehmomentkurve: Hier lege ich stets den Fokus darauf, in welchem Abschnitt sich das Drehmomentmaximum befindet. Ist es gleich im ersten Drittel wie bei sehr vielen Drehschiebermotoren (Stecktuning)? Hierbei hat man zwar ein schön frühes Maximum, dafür aber danach eine ausschließlich abfallende Drehmomentkurve. Mit etwas Glück entsteht daraus noch einigermaßen ein Plateau in der Leistungskurve. Oft ist aber auch diese nach dem frühen Maximum stetig abfallend und der Motor dreht zwar, aber ohne Nm und ohne PS in diesem Bereich. Nicht wenige sagen dazu auch „Zirri-Prinzip“.                                                                                      

 

Die meiner Meinung nach deutlich schöneren Kurven hat man mit dem Drehmomentmaximum in der Mitte oder im letzten Drittel. In diesen Fällen kann man auch eher davon ausgehen, dass das maximal mögliche Drehmoment vom Motor ausgeschöpft wurde. Mit dem Maximum in der Mitte hat man eine schön gleichmäßige Leistungskurve, die vor und hinter ihrem Peak etwa gleiche Steigungen hat (positive/negative). Zu beachten wäre evtl., dass Leistungskurven solcher Drehmomentkurven tendentiell einen steileren Einstieg haben als die folgende Variante und teilweise in Sachen Fahrbarkeit nicht jedermanns Sache sind. Ich bevorzuge meistens Drehmomentkurven mit einem Maximum im letzten Drittel. Die Vorteile sind zum einen eine bessere Fahrbarkeit, da der Einstieg etwas sanfter ausfällt und zum anderen erreicht man mit ihnen am ehesten maximale PS-Zahlen (denn Arbeit bzw. Drehmoment = Kraft x Weg ; Leistung = Kraft x Weg / Zeit). Viele Drehmomentkurven moderne Viertakter im Motorrad-Bereich sehen so aus.

 

Allgemein kann man sagen, dass man bei Membranmotoren recht zuverlässig an der Dremomentkurve den status quo der Überstromzeit ablesen kann. Bleiben alle anderen den Mitteldruck beeinflussenden Faktoren unverändert deutet ein früher Dremoment-Peak oft auf zu wenig Überstromzeit hin.

 

-          Maximales Drehmoment: Wie schon angekündigt, schaue ich nicht primär nach der PS-Zahl, sondern nach dem maximalen Drehmoment. So sind etwa 25 PS eigentlich nicht viel, wohl aber wenn sie bei 6000 U/min auftreten. Denn dieser Zusammenhang läßt auf ein sattes Dremoment mit deutlich über 25 Nm schließen und sagt mehr über das Potential des Motors aus.

 

-          Overrev: Als Overrev bezeichnet man das Verhalten der Leistungskurve nach dem Leistungsmaximum/Peak. Hier sollte die Leistungskurve nicht zu steil abfallen, sonst hat man das Gefühl, dass der Motor „gegen die Wand läuft“. Wichtig ist dieser Bereich vor allem beim schnellen Durchbeschleunigen oder sogar bei Beschleunigungsrennen. Fällt nun der Bereich des Overrev zu kurz aus (kleines Intervall U/min) durch eine steil abfallende Leistungskurve, so bleibt nur ein sehr schmales Fenster für den optimalen Zeitpunkt des Schaltvorgangs. Denn kommt der Motor an seine Drehzahlgrenze, beschleunigt er nicht mehr und man verliert viel Zeit.

 

Verlauf Leistungskurve zwischen Resonanzbeginn und Leistungspeak: Wie weiter oben bereits angesprochen, ist das ebenfalls ein interessanter Bereich. Hier läßt sich einiges über die Auslaßform sagen. Hat man beispielsweise sein Drehmomentmaximum im letzten Drittel und trotzdem einen steilen Einstieg der Leistungskurve, so kann es an einem sich rtg. U.T. NICHT verjüngenden Auslaß (rechteckige Form) liegen. Auch kann so eine Leistungs- und Drehmomentschwäche bei Resonanzbeginn von einer weitgehend graden Auslaßoberkante gepaart mit zu kleinen Eckradien (keine ovale Auslaßform) ausgehen. Solch eine Form wirkt sich aber meist erst ab einer Auslaßzeit von ca. 185° merklich negativ aus.